Samstag, 17. Juli 2010

Ist die Kritik am Intelligent Design begründet?

Ich bin soeben auf einem anderen Blog auf einen interessanten Post gestoßen. Leider äußert sich der Autor nicht selbst sondern verlinkt nur auf eine andere Seite, das hindert mich aber nicht daran, zu den Punkten Stellung zu beziehen. Also zuerst einmal die Links:

http://wissenschaftkanal.blogspot.com/2010/07/ist-die-kritik-intelligent-design.html

http://www.intelligentdesigner.de/kritik.html

Wie wir sehen, sind einige, wohl oft von Evolutionstheoretikern in den Raum gestellte Aussagen bzw. Kritikpunkte zum Intelligent Design, der Kern des Posts. Intelligent Design ist eine Betrachtung des Universums unter der Annahme, dass es eine Intelligenz gegeben hat oder gibt, die Einfluss auf dessen Entwicklung hatte oder hat. Schauen wir uns die Punkte also einmal an…

Kritikpunkt 1: Die Intelligent-Design-Theorie sei nicht auf die Ursprungsfrage anwendbar
Vorab: ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kritiker des Intelligent Designs so eine Aussage trifft. Kritisiert man das Intelligent Design, so tut man das nicht nur in Bezug auf Leben sondern generell. Warum sollte das Leben völlig natürlich, andere Dinge aber gesteuert entstanden sein? Für mich jedenfalls ergibt das wenig Sinn.
wenn außer Frage steht, dass Informationen außerhalb von Lebewesen ausschließlich durch Intelligenz erzeugt werden können” Hierauf muss ich kurz eingehen, da diese Aussage für alles Weitere von Bedeutung ist. Zunächst einmal grenzt derjenige, der diese Aussage trifft, ganz klar lebendige von toter Materie ab und bekennt sich schon damit zum Intelligent Design. Abgesehen davon vertritt er die Auffassung, dass eine im Vergleich zur Umgebung verringerte Entropie, also Ordnung, keine Information ist. Dazu muss ich irgendwann mal etwas ausführlicher schreiben, sehr interessantes Thema. Kurz zusammengefasst verweigert der Autor mit dieser Aussage aber selbst dem Menschen den Status eines Information enthaltenden Gebildes. Zu guter Letzt ist die eigentliche Aussage, dass Information nur durch Intelligenz entstehen kann, absurd. Auf den ersten Blick mag man vielleicht an einen Laptop denken, der definitiv mehr Information in Form von Ordnung enthält als die nicht zusammengesetzten, herumliegenden Einzelteile. Und natürlich ist nur der Mensch in der Lage, ihn zu einem funktionierenden Gerät mit geringer Entropie zusammenzusetzen, also eine Intelligenz. Doch betrachtet man natürliche Phänomene wie einen Stern, der sich per Gravitation bei seiner Entstehung “von selbst” aus Gasen geringer Informationsdichte zu einer abgegrenzten Plasmakugel höheren Informationsgehaltes formt, so kommt man ins Grübeln. Wie gesagt, zu diesem Thema gibt es noch weit mehr zu schreiben, werde ich eines Tages nachholen…
Beim Rest des Textes sehe ich den Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema nicht und spare ihn mir daher.

Kritikpunkt 2: Die Intelligent-Design-Theorie ist nichts weiter als Kreationismus im neuen Gewand
Das ist natürlich nicht so – sagt der Autor. Schließlich hätten Evolutionstheorie und Kreationismus mehr gemein als letzterer mit dem Intelligent Design, wobei das Intelligent Design argumentativ überlegen sei. Um jetzt nicht den ganzen Text mit dezent verstecktem, ironischen Unterton wiedergeben zu müssen, fasse ich eben zusammen:
1) Die Evolutionstheorie stellt Behauptungen oder Vermutungen über den Beweis
2) Die Evolutionstheorie ist eine Weltanschauung (vermutlich ist der Materialismus gemeint)
3) Sie argumentiert gegen experimentelle Beweise und beobachtbare Tatsachen
4) Die ID-Theorie beobachtet Vorgänge und untersucht sie auf Spuren intelligenter Herkunft
5) Die ID-Theorie hat sowohl Makroevolution als auch Abiogenese widerlegt
6) Die falschen Aussagen der ET werden von Wissenschaftlern gegen die Realität verteidigt
7) Wissenschaftler, die in die ET vertrauen, legen religiösen/missionarischen Eifer an den Tag, versuchen, Dogmas aufzustellen und zu verteidigen und biegen die Realität passend zur Theorie zurecht
Ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich für oben genannte Punkte zwei Erklärungsmodelle anbiete:
- Der Autor des Textes untermauert seine Thesen gezielt und absichtlich mit Falschinformationen
- Der Autor des Textes ist mangelhaft und/oder falsch informiert und weiß es schlicht nicht besser
Wobei ich eher nicht an die zweite Erklärung glaube. Im Gegensatz zu all den Youtube-Videos zum Thema ist hier eine korrekte Rechtschreibung, vernünftiger Satzbau und so etwas wie eine Argumentationskette erkennbar.

Gut, schauen wir uns also einmal die Realität an, die ich, seit ich auf intelligentdesigner.de herum lese, vermisse. Doch zunächst rufe ich den Autor dazu auf, seine Behauptungen mit irgendetwas zu untermauern anstatt sie einfach in den Raum zu stellen.
1) Eine wissenschaftliche Theorie kann nicht bewiesen werden, es gilt das Prinzip der Falsifizierbarkeit. Das bedeutet, dass eine Theorie einen einzigen, stichhaltigen Gegenbeweis erfordert, um sich als falsch zu erweisen. Das gelang bei der ET bisher noch nicht. Auf der anderen Seite gibt es jedoch eine Fülle an Beobachtungen, die für die Theorie sprechen.
2) Die ET ist keine Weltanschauung sondern eine wissenschaftliche Theorie. Solche Formulierungen dienen lediglich der Polarisierung.
3) Das ist eine schlichte Lüge, das Gegenteil ist der Fall. Ich bitte um einen Beleg.
4) Das ist richtig. Warum reine Beobachtung plus Interpretation durch Menschen einen Beweis für ID ergeben soll ist mir allerdings schleierhaft.
5) Weder Makroevolution noch Abiogenese sind widerlegt. Sollte ich mich irren bitte ich auch hier um Belege.
6) Die Evolutionstheorie muss nicht verteidigt werden um anerkannt zu werden. Es reicht, sie zu widerlegen, um sie aus der Welt zu schaffen. Was bisher noch nicht geschehen ist.
7) Hier spricht der Autor vermutlich mit dem Wissenschaftler, den er jeden morgen im Spiegel sieht

Zusammengefasst bietet die Antwort auf den zweiten Kritikpunkt nichts weiter als eine Ansammlung von unbelegten Aussagen, die den Leser auf die “richtige” Seite ziehen sollen. Sollten hier Belege folgen, wovon ich nicht ausgehe, so kann ich auch mit mehr als einer Richtigstellung der Tatsachen antworten.

Kritikpunkt 3: Information in Lebewesen kann sich ganz allmählich verändern
Hier soll nun auf anschauliche Weise gezeigt werden, dass sich Zwischenformen von einer Entwicklungsstufe eines Merkmals zu einer höheren niemals hätten durchsetzen können. Illustriert wird dies anhand eines Satzes (“Wer andere kritisiert, wird nicht von eigener Leistung befreit.”) der sich wunderbar auf den Autor des Textes anwenden lässt.
Allerdings verhält sich die Sprache nicht wie die DNA, der Vergleich ist denkbar unpassend. Leider hat der Autor nicht genügend Webspace zur Verfügung, um DNA-Codes zu vergleichen, daher müssen wir uns mit den Beispielsätzen begnügen. Schade, so bleibt eine vernünftige Betrachtung des Themas unmöglich.
Natürlich wollen wir die angebliche Widerlegung des Kritikpunktes nicht so stehen lassen und bringen unsererseits das Beispiel, das dem Autor offensichtlich gefehlt hat. Das Auge. Sehr oft wird angeführt, dass ein Auge nur als vollständiges Organ funktionieren könne und Zwischenformen dazu verdammt seien, nicht oder schlechter zu arbeiten. Dass durch genetische Veränderung bedingte Nachteile selektiert werden will ich gar nicht bestreiten. Allerdings handelt es sich hier, wie bei anderen beliebten Beispielen, um eine Fehlannahme. Zu diesem Thema forscht z.B. Dan-Eric Nilsson von der Lund University in Lund, Schweden. 2009 veröffentlichte er eine Analyse zur Evolution des Sehens, die im Internet kostenlos abrufbar ist. Kurz zusammengefasst wird im Artikel zum einen der Grund für eine Veränderung des Sehapparates diskutiert. Zum anderen teilt Nilsson die Entwicklung des Auges in vier übergeordnete Stufen ein, anhand derer sich eine Transformation in kleinen Schritten sehr gut nachvollziehen lässt:
1) lichtempfindliche Zellen auf der Haut, mit denen sich nur hell und dunkel ausmachen lässt,
2) eine Einstülpung der lichtempfindlichen Zellen in die Haut, mit denen die Richtung des Lichteinfalls bestimmbar wird,
3) eine Verengung an der Oberfläche der Einstülpung (vergleichbar mit einer Iris), die ein schärferes Bild ermöglicht,
4) die Bildung einer Linse aus Wasser, die ein scharfes Bild bei hoher Lichtempfindlichkeit bietet

Auge_evolution_eye 
Die Entwicklung des Auges lässt sich als fließender Übergang betrachten

Wer sich die komplette Studie anschauen möchte, der klicke hier:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2781862/?tool=pubmed

Nun kommen wir zu weiteren Kritikpunkten, die von Lesern der Seite eingereicht wurden und daher deutlich weniger sinnfrei wirken als z.B. der erste Punkt.

“Kritikpunkt 4: Interessant wäre es, ID-Theoretiker würden klar sagen, welcher Designer wann wo welche Struktur wie geschaffen hat. Dann hätten sie so etwas wie eine prüfbare Aussage.”
Columbo schaut sich einen Mord an, der zunächst wie ein Unfall aussieht. Schnell wird klar, dass der Tote Opfer eines Verbrechens wurde. Und daraus folgt, dass es einen Täter gegeben haben muss. Auf den ersten Blick eine interessante Parallele zur Natur bzw. dem Intelligent Design. Leider wird auch hier die Komplexität der Natur nicht verstanden. Doch was erwartet uns stattdessen? Keine Überraschung sondern die altbekannte Pseudoargumentation.
“Wenn man die ID-Theorie schließlich auf die Ursprungsfrage anwendet und auf die Frage woher die Vielfalt des Lebens stammt und was die Ursache ihrer Entfaltung ist, anwendet, so ist die Vorgehensweise immer dieselbe. Komplexe Informationen […] sowie komplexe, fein aufeinander abgestimmte und interagierende Mechanismen, Funktionen und Strukturen in der Natur, insbesondere in Lebewesen, lassen unwillkürlich auf eine intelligente Ursache schließen.”
Das ist vielleicht der Fall. Allerdings muss der erste Eindruck nicht immer der Richtige sein. Nun wird es etwas haarsträubend, doch zuvor ein paar Fakten. Der Autor geht davon aus, dass die ID-Theorie die beste Erklärung für unsere Beobachtungen bietet. Woraus folgt, dass er einen Schöpfer vermutet, der hinter den komplexen Systemen steht, die wir heute sehen. Ein solcher Schöpfer müsste über den Naturgesetzen stehen und nicht an Kausalzusammenhänge gebunden sein. Er wäre also quasi allmächtig. Schließlich behauptet der Autor (im letzten Zitat) dass man auf den ersten Blick von einer schaffenden Intelligenz ausgehen müsse, schaut man sich die Natur an.
Nun kommt Columbo zurück. Natürlich würde ein Schöpfer, genau wie der Mörder im Krimi, sein Werk als natürlich entstanden bzw. Unfall darstellen wollen. Warum er das wollen sollte leuchtet mir zwar nicht ganz ein, lassen wir es aber einmal so stehen und fassen das bisher Gesagte in einer Schlussfolgerung zusammen:
Der Autor von intelligentdesign.de behauptet von sich, das von seinem Schöpfer als natürlich entstanden getarnte Universum durch simple Beobachtung entlarven zu können. Ein solcher intelligenter Designer, der, wie schon festgestellt, allmächtig sein muss, bekommt es also offensichtlich nicht hin, sein Universum ausreichend zu tarnen. So schlampig war bisher noch kein einziger Täter bei Columbo. Gehen wir also von einem mit unvorstellbarer Macht ausgestatteten Designer aus, so müssen wir vermuten, dass sein als natürlich getarntes Werk derartig gut versteckt ist, dass wohl kein Mensch je dahinter kommen kann.

Was haben wir nun unter dem Strich? Entweder ist das Universum planvoll konstruiert – was wir aufgrund der dafür notwendigen Allmacht des Konstrukteurs aber niemals erfahren würden. Oder das Universum ist tatsächlich auf natürlichem Wege entstanden. In beiden Fällen müssen wir das Universum als natürlichen Ursprungs betrachten, da wir aufgrund der bisherigen Ausführungen niemals eine Chance hätten, ein von einem allmächtigen Wesen erschaffenes und als natürlich getarntes Universum je als solches zu erkennen. So liefert die Evolutionstheorie in beiden Fällen die realitätsnähere Beschreibung.

Angenehmerweise bietet uns der Autor die Reduzierung der ID-Theorie auf eine Aussage an. Um das Intelligent Design zu belegen müsse man nicht herausfinden, was das für ein Schöpfer war, wo und wann er geschaffen hat oder welche Zahnpasta er benutzte. Sondern nur, DASS es einen intelligenten Designer gab. Leider ist das, wie wir weiter oben schon festgestellt haben, ein Ding der Unmöglichkeit.

So bleibt zu sagen, dass von der Intelligent-Design-Theorie nach den Ausführungen des Autos nicht viel mehr übrig bleibt als das Bild einer in den Raum geworfenen, nicht beweisbaren Spekulation. Schade vor allem deshalb, weil sich die ID-Anhänger so gerne auf die Wissenschaft berufen. In der falsifizierbare Aussagen getroffen werden müssen.

Kritikpunkt 5: ID-Theoretiker bringen immer Beispiele aus der Technik. Da schimmert immer Paley mit seinem 'Beweis' durch, dass geschaffene Gegenstände einen Schöpfer haben. Unterscheiden sich Lebewesen, die zur Veränderung und Vermehrung fähig sind, nicht grundlegend von Gegenständen?
Die Ausführungen zur Software, die etwa zwei Drittel des Textes ausmachen und sich leider nur scheinbar von den kritisierten Gegenstand-Beispielen unterscheiden, lasse ich mal weg. Irrelevant, da der Kritik nicht widersprechend.
Und auch der Rest besteht leider nur aus Polemik nach dem Motto “was ist wohl wahrscheinlicher?” oder “schaut Euch die Komplexität an, das muss geschaffen worden sein!”, auf Beweise hingegen wird großzügig verzichtet. Insofern spare ich mir etwas Zeit und gehe weiter zum nächsten Punkt.

Kritikpunkt 6: Intelligent-Design-Vertreter argumentieren nach folgender Regel: Evolution kann nicht funktionieren, also war es Intelligent Design.”
to be continued…

Donnerstag, 15. Juli 2010

Stammen wir vom Affen ab oder sind wir Geschöpfe Gottes?

Hochgeladen in der Youtube-Kategorie “Bildung”, vorgetragen von Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin, verspricht das Video eine objektive Erörterung eines der Themen schlechthin.

“Ist die Evolutionstheorie eine falsche Idee?
Wissenschaftliche Beweise fehlen.
Ist die Evolutionstheorie ein bewusster Angriff auf den Schöpfergott?”

…sagt die Beschreibung des Videos. Ein wenig einseitig formuliert und ein Blick in den Lebenslauf des Grafen lässt weitere Zweifel aufkommen. Wikipedia gibt an, dass er Besitzer, Verleger und Herausgeber der katholischen Zeitung “Kirche Heute” ist. Desweiteren ist er Vorsitzender von Medjugorje Deutschland (Medjugorje ist ein Dorf in Bosnien und Herzegowina, in dem seit 1981 Maria, die Mutter Jesu, erscheinen soll), Mitglied in einigen katholoischen Gruppierungen und an Missionsprojekten beteiligt.

Dennoch bleiben wir unvoreingenommen und gucken uns das Video einmal an.

Schöpfung oder Evolution – Teil 1

01:10
Die Seele des Menschen ist gottgegeben, so die erste, auf der offiziellen Kirchenmeinung basierenden Feststellung. Aufgrund der oben aufgezählten Aktivitäten von Brandenstein-Zeppelins wundern wir uns nicht weiter und freuen uns auf die zentrale Fragestellung: woher kommt der Körper? Da die Kirche hier noch keine Stellungnahme formuliert hat, ist das Thema zur Diskussion freigegeben und wird nun durchleuchtet.

Schon hier muss darauf hingewiesen werden, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach wieder auf ein “Kreationismus vs. Evolution” hinauslaufen wird. Die Frage, ob der Mensch von Gott erschaffen oder (!) von der Evolution geformt wurde, ist ein klares Indiz dafür. Eigentlich interessiert mich der Gedankenaustausch mit gemäßigt Gläubigen, die die Erde eben nicht auf ein paar tausend Jahre datieren und wissenschaftlichen Methoden eine gewisse Relevanz beimessen, deutlich mehr. Leider findet man von der Sorte nicht viele im Netz. Wohl, weil die reißerischen, polarisierenden Videos, Blogeinträge etc. mehr Klicks bekommen und die nicht kreationistisch denkenden Gläubigen kein übersteigertes Mitteilungsbedürfnis haben. Weiter im Text…

03:40
”Diese Theorie vom Urknall überzeugt mich persönlich überhaupt nicht. Da scheint mir die heilige Schrift schon plausibler.”
Damit haben sich meine Hoffnungen auf ein interessantes Video weitestgehend verflüchtigt und alle Befürchtungen bestätigt. Wenn sich so ein seriöser Herr im Anzug und mit Titel vor die Kamera setzt und eine offene Fragestellung, keine Aussage, vorbringt, so verlangt der Zuschauer etwas anderes als eine Beantwortung der Frage nach knapp vier Minuten im ersten von vier Videos. Auch sagt das so frühe Outen, dass man eine physikalisch absurde Überlieferung der Erdgeschichte, die die Fehlerhaftigkeit wissenschaftlich anerkannter Methoden wie der C14-Datierung voraussetzt, als wörtliche Wahrheit versteht und dem zumindest im Prinzip logischen Urknall, der als Theorie auf einem gemütlichen Polster bestätigender Beobachtungen ruht, vorzieht, einiges über die Person Brandenstein-Zeppelin aus. Bleibt uns immer noch die Analyse sarkastischer Natur, die das restliche Video hoffentlich unterhaltsamer erscheinen lässt, als es ist…

Wobei zum Rest des ersten Teils nicht mehr viel zu scheiben ist. Der seriöse Herr im Anzug startet lediglich noch den Versuch, sein Gefühl von der Richtigkeit der Schöpfungslehre mit Augenzeugenberichten von Jesus Handeln zu untermauern. Also weiter mit Teil 2.

Schöpfung oder Evolution – Teil 2

Und schon bekommen wir ein paar Weisheiten serviert: die wörtliche Auslegung der Bibel ist fast nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Danke. Zweitens. Wir müssen der Kirche dankbar sein, dass sie uns die Auswahl der Bibelinhalte und deren Deutung abnimmt. Eine gewisse Kirchenhörigkeit war mir ja zu Beginn schon aufgefallen.

04:05
”…kein Mensch hat bis heute wissenschaftlich nachgewiesen, dass es den Urknall gab und dass die Evolution tatsächlich stattgefunden hat. Es ist einfach eine Idee. Und für mich persönlich eine nicht besonders plausible Idee. Den knallen kann es nur, […] wenn irgendwas da ist, was explodieren kann. […] Und warum soll durch eine Explosion so etwas kompliziertes grundgelegt worden sein wie die ganze Schöpfung. Durch einen Knall wird Geschaffenes zerstört.”

Endlich präsentiert uns Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin das ganze Ausmaß seiner Unwissenheit. Es ist zwar nicht gerade toll, keine Ahnung von Physik und Biologie zu haben; im Vergleich zu all den Leuten auf Youtube, die nicht einmal ganze Sätze bilden oder ihre Gliedmaßen reibungslos steuern können erscheint eine solche Wissenslücke geradezu belanglos. Allerdings sollte man, so Umfangreich mit Fehlinformationen ausgestattet, aber nicht an die Öffentlichkeit treten und bilden wollen.

Dass die Evolution stattgefunden haben soll – Vergangenheitsform – ist der erste Punkt und zeigt uns, dass der Vortragende mangels Wissen auf dem Gebiet, über das er referiert, keine klare Trennung zwischen Evolutionstheorie und Genesis zu Stande bekommt. Aus dem Mund des Grafen erscheint die Evolution ebenfalls wie ein Schöpfungsakt, der eben nur nicht von Gott sondern einer ominösen Explosion initiiert wurde. Und abgeschlossen ist.
Wir, als Leser weiterbildender Blogs, wissen, dass die Evolution ein fließender Prozess ist, der noch immer stattfindet.

Dann die Explosion. Eine Explosion ist eine Reaktion, die einen schnellen und starken Anstieg der Temperatur und des Drucks zur Folge hat. Die Druckwelle entsteht durch eine starke Volumenausdehnung von Gasen, viel Energie wird in kurzer Zeit auf kleinem Raum freigesetzt. Daher auch die bekannte Zerstörungswirkung.
Also haben wir unter dem Strich bestimmte Elemente oder Moleküle, die miteinander reagieren und durch eine Ausdehnung im dreidimensionalen Raum eine Druckwelle erzeugen. Wo ist nun das Problem mit dem Urknall des Grafen? Ganz einfach: der Raum, in dem sich die Druckwelle ausbreiten könnte, fehlte. Die chemischen Bestandteile für eine solche Explosion ebenfalls. Und Zeit, in der sich die Reaktion abspielen könnte, zu guter Letzt auch.
Zugegeben, die Anfangsbedingungen sind weder beobachtbar noch errechenbar, auch wenn sich letzteres mit einer umfassenden Theorie der Physik ändern könnte. Eine Explosion war der Urknall jedoch nicht. Im Gegensatz zu einer Explosion, die sich im Raum ausbreitet, begann sich beim Urknall nämlich der Raum selbst auszubreiten. Und mit ihm die Zeit. Das ist der Punkt der Theorie, der den Meisten Probleme bereitet. Wie hat man sich die Ausdehnung des Raumes an sich vorzustellen? Man stelle sich ein Klassenzimmer vor, in dem man an seinem Tisch sitzt und um sich herum, wie in einem Klassenzimmer eben üblich, viele andere Tische stehen hat. Würde sich nun nicht das Klassenzimmer sondern der Raum, also das dreidimensionale Gitternetz, in dem wir uns alle befinden, ausdehnen, so würde man feststellen, dass sich alle Tische voneinander entfernen. Egal auf welchem Platz man sitzt. Parallel dazu hat man im 20. Jahrhundert beobachtet, dass sich alle Galaxien von uns wegbewegen. Das war die Entdeckung der Ausdehnung des Universums. Und von hier bis zum Urknall ist es nur noch ein kleiner Schritt. Bestimmt man die Geschwindigkeit, mit der sich der Raum ausdehnt, so kann man in die Vergangenheit zurückrechnen. Wie groß war das Universum vor 1000 Jahren, vor 1 Million Jahren, vor 1 Milliarde Jahren, wann stößt man auf einen Anfangspunkt, an dem die Ausdehnung angefangen haben muss? Vor etwa 14 Milliarden Jahren. Und da die Lichtgeschwindigkeit endlich ist und die “Höchstgeschwindigkeit” im Universum darstellt, da ein Lichtjahr die Entfernung ist, die das Licht in einem Jahr zurücklegen kann, sehen wir 14 Milliarden Lichtjahre in jede Richtung, wenn wir den Blick auf den Nachthimmel richten. Alles was weiter entfernt ist bleibt uns verborgen, da uns dieses Licht noch nicht erreichen konnte.

Schöpfung oder Evolution – Teil 3

03:10
”…dieser Tod von dem schwächsten Zebra hat nicht zur Folge, dass die anderen Zebras oder lebenden Zebras plötzlich eine Antilope gebären oder sich zur Giraffe mutieren. […] Eine Evolution findet immer nur innerhalb einer Spezies statt aber nie speziesübergreifend.”
Allmählich fühle ich mich stark an mein mündliches Deutsch-Abi erinnert. Kein Buch auch nur ansatzweise gelesen, wozu auch, die Klappentexte reichen doch. Keine Ahnung von den verschiedenen Epochen, den Biografien oder sonst irgendwas. Und in der Prüfung selbst dann irgendetwas zusammengestammelt, gehofft, dass keine schweren Fragen kommen, die die gewaltigen Wissenslücken aufdecken könnten – ein paar Punkte ergattert und schnell von der Bildfläche verschwunden!
Der Unterschied zu unserem Grafen ist der, dass er sich im Video keinen entlarvenden Fragen stellen musste. Und, dass er sein Halbwissen freiwillig und öffentlich von sich gegeben hat.

Naja, ich für meinen Teil werd mir jetzt noch den Rest anschauen, gemütlich eine Rauchen und die Finger still halten. Ernsthaft auf Sprüche wie den zuletzt genannten einzugehen ist schlicht nicht möglich. Have fun…

Schöpfung oder Evolution – Teil 4

Dienstag, 13. Juli 2010

Der Niedergang der Evolutionstheorie und die Wahrheit der Schöpfung Teil 3 von 6

Dritter Akt des Trauerspiels vom Niedergang der Naturwissenschaften. Seid gespannt, wie in wenigen Minuten Darwin gegen Lamarck ausgespielt wird und warum die fortschreitende Forschung immer mehr Teile der Theorie widerlegt…

DER NIEDERGANG DER EVOLUTIONSTHEORIE und DIE WAHRHEIT DER SCHÖPFUNG [Teil 3/6]

Da wir bereits festgestellt haben, dass bisherige Versuche eines Nachweises, dass Leben aus unbelebter Materie entstehen kann, scheiterten, weil der Versuchsaufbau mangelhaft war, beschäftigen wir uns zunächst nicht weiter mit den Ausführungen zu Beginn des Videos. Noch fehlen Kenntnisse über die genauen Anfangsbedingungen, also vor allem der chemischen Bestandteile, die beteiligt waren. Trotz alledem ist die synthetische Biologie eines der aufstrebenden Forschungsgebiete in der Biologie schlechthin.

01:45
Ab hier gibt es anfangs eine allen Vermutungen zum Trotz gute Beschreibung der evolutiven Selektion. Hinzuzufügen ist, dass sich Selektion meist nicht in kurzer Zeit auswirkt sondern auf langen Zeitskalen den Genpool verändert. Unterschlagen wurde auch, dass nicht nur alte und schwache Tiere “aussortiert” werden sondern auch diejenigen, die für die aktuelle Umwelt weniger geeignete Genvarianten aufweisen.
Welche Lebewesen werden letztendlich also bevorzugt? Solche, die wenig krankheitsanfällig sind, besonders starke Tiere, auf das andere Geschlecht besonders anziehend wirkende und auch welche, die spezifische Anpassungen an die Umwelt vorweisen können. Wieso gerade die? Tiere, die leicht erkranken, haben einen klaren Überlebensnachteil gegenüber den resistenteren Tieren. Sie können in gefährlichen Situationen seltener die volle Leistung bringen, wirken auf das andere Geschlecht weniger attraktiv, sterben häufiger an Krankheiten. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, Nachkommen zu zeugen, geringer als bei Tieren, deren Genom eine stärkere Krankheitsresistenz bietet. Physisch starke Tiere wiederum haben größere Chancen beim Kampf um Geschlechtspartner; schon alleine dieser Punkt erhöht die Chance für Nachkommen bzw. der Weitergabe der eigenen Gene. Die höheren Überlebenschancen in einer gefährlichen Umwelt kommen dazu. Oft nimmt die Attraktivität für potentielle Partner des anderen Geschlechts eine bedeutende Rolle ein. So gibt es Vögel, die wegen ihrer gigantischen Schwanzfedern kaum noch fliegen können. Eben diese Federn machen sie aber besonders attraktiv für die Weibchen. Warum? Ein Vogel, der sich riesige, beim Fliegen behindernde und Energie kostende Schwanzfedern leisten kann und dennoch gut über die Runden kommt, muss ein starkes Genom besitzen und daher ein optimaler Partner zur Zeugung von Nachkommen sein. Schließlich die spezifischen Umweltanpassungen. Nehmen wir eine ökologische Nische in einem Wald, in dem die Nahrung einer bestimmten Vogelart, meinetwegen irgendwelche Larven, meist in dünnen Höhlen in Bäumen befindet. Und nun zwei Vögel der betreffenden Art, die anatomisch völlig identisch sind – mit einer Ausnahme. Der Schnabel des einen Vogels ist etwas dünner und ein klein wenig länger. Nichts ungewöhnliches, eine kleine Variation der für den Schnabel verantwortlichen Gene. Wir Menschen haben schließlich auch alle unterschiedliche Nasen, Haarfarben und so weiter. Doch der zweite Vogel wird sich durchsetzen. Er kommt leichter an seine Nahrung, hat es dadurch einfacher beim Überleben und zeugt eher Nachkommen. Auf lange Sicht werden die Gene für kurze Schnäbel nach und nach ausgesondert, die Population wird im Schnitt längere und dünnere Schnäbel bekommen. So funktioniert Selektion.

02:50
Wieder kommen wir zum auf Youtube wohl meistzitierten Part aus Darwins “Origin of Species”, den Schwierigkeiten der Theorie. Hier wird Darwin wie folgt zitiert: “Solange sich keine nützlichen Veränderungen herausbilden, hat die natürliche Selektion keine Wirkung”. Das stimmt. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieser Fall bisher weder eingetreten ist, noch irgendein stichhaltiger Beweis gegen die Theorie existiert.

Im Anschluss gibt’s ein wenig Schulbiologie. Eine Kurzbeschreibung der Denkweise Lamarcks, in der die Theorie der Weitergabe von zu Lebzeiten erlangten Anpassungen von einer Generation zur nächsten besonders betont wird.
”Darwin […] hat sich noch ein fantastischeres Beispiel ausgedacht.”
Direkt wird zu Darwin gewechselt, Lamarcks Theorie noch im Hinterkopf wird nun der Eindruck erweckt, dass sich aus Bären spontan Wale entwickeln könnten. Nach Lamarcks absurder Theorie und dem Mitläufer Darwin, der Lamarcks Gedankengänge noch etwas weiter Richtung Wahnsinn entwickelt hatte, soll der Zuschauer für die lang erhoffte Aufklärung bereit sein, um sich nicht länger von naturwissenschaftlichen Scharlatanen eine falsche Wahrheit verkaufen lassen zu müssen.

Nun also die Aufklärung: Darwin kam nur deshalb auf seine, in den Augen des Sprechers aus heutiger Sicht absurde Theorie, weil es zu seinen Zeiten noch keine entsprechenden Forschungszweige der Biologie wie Genetik, Mikrobiologie oder Biochemie gab.

Witziger weise scheinen sich nach einer Unmenge Beobachtungen und Experimente, die die Evolutionstheorie unterstützen (nein, ich fange hier keine Auflistungen an, der Zweifler möge auf http://pubmed.gov gehen und sich selbst überzeugen) nun auch die Behauptungen Lamarcks zu bewahrheiten. Zumindest hat man in jüngster Vergangenheit herausgefunden, dass sich bestimmte Umwelteinflüsse wie Hungersnöte über Generationen hinweg auswirken. Im Gegensatz zu einigen Ausführungen auf Youtube, die durch diese Entdeckung die Evolutionstheorie als widerlegt betrachten, scheint der Mechanismus epigenetischer Natur zu sein. Dieses noch relativ junge Forschungsgebiet untersucht die Aktivierung und Deaktivierung von Genabschnitten durch sog. Methylierung. So ist es möglich, dass sich Eigenschaften des Genoms durch eben diesen Kontrollmechanismus verändern können.

Keine Sorge, der Rest kommt noch…